Ivan Pavlov, die klassische Konditionierung und ein Knackfrosch im Hundetraining

Gepubliceerd op 30 januari 2024 om 13:53

Auf der Unterseite „Wie wir trainieren“ und im Blogbeitrag „Bedürfnisorientiertes Hundetraining: Vorurteile, Mythen und Missverständnisse“ erfährst du viel Wissenswertes über die operante Konditionierung.

Es gibt aber noch eine andere Art der Konditionierung, die im Hundetraining eine große Rolle spielt - eigentlich nicht nur im Training! Aber dazu später mehr ;-) Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

Die „Klassische Konditionierung“

Furry Fellows_Klassische Konditionierung_Pavlov_Glocke

Die operante Konditionierung und die klassische Konditionierung gehen Hand in Hand und sind ein wahres Dreamteam!

Du erinnerst dich bestimmt an die Aussage „Verhalten, welches verstärkt wird, wird zukünftig häufiger auftreten.“ Verhalten kann sich aber oft sehr schnell verändern.

Gerade bei unseren wuseligen Hunden müssen wir da sehr auf Zack sein, um ihnen im richtigen Moment mitzuteilen, dass sie gerade erwünschtes Verhalten zeigen. Wenn wir unsere Belohnung nicht punktgenau einsetzen, kann es schnell passieren, dass wir ungewollt ein unerwünschtes Verhalten verstärken.

Als Beispiel nehmen wir die Orientierung zu dir während eurer Gassirunde. Du möchtest deinem Hund sagen, dass du es gut findest, wenn er zwischendurch immer mal wieder zu dir schaut und sich an dir orientiert. Dies ist übrigens speziell bei Jagdnasen eine sehr gute Trainingsidee.

Als Strategie hast du dir überlegt, dass du seine freiwilligen Blicke zu dir „einfangen“ und verstärken möchtest. Bei eurem nächsten Spaziergang merkst du aber, dass das gar nicht so einfach ist: So ein Blick ist sehr flüchtig, und man hat nicht schnell genug das Leckerli parat. Bis du es aus der Tasche gefischt hast, springt deine Fellnase an dir hoch. Tja, und dafür willst du jetzt aber kein Leckerli geben...

Und hier kommt der Wissenschaftler Ivan Pavlov (1849 – 1936) ins Spiel! Folgende Erkenntnis ist von ihm:

Ein unkonditionierter Reiz (Futter), der eine messbare Reaktion (Speicheln) hervorruft, wird mit einem zweiten Reiz (Glocke) verknüpft, der diese Reaktion bisher nicht hervorgerufen hat. Der zweite Reiz (Glocke) wird dann zum konditionierten Reiz. Das heißt, allein beim Hören des bekannten Glockentons entsteht Speichelfluss.

Die moderne Definition der klassischen Konditionierung ist etwas weiter gefasst und bezieht sich nicht nur auf natürliche Reaktionen wie Speicheln, sondern z.B. auch auf Signalverknüpfungen.


Werden zwei sensorische, voneinander unabhängige Reize in einem engen Zusammenhang wahrgenommen, werden sie miteinander verknüpft.


Als Beispiel kannst du das Öffnen eines Joghurtbechers nehmen. Wenn dein Hund bisher noch keine Joghurtbecher sauberschlecken durfte, du ihm das also noch nicht angeboten hast, wird er bei dem Geräusch des Aludeckels keine große Reaktion zeigen. Vielleicht wird er neugierig schauen, wie er es generell tut, wenn du gerade isst – aber er wird keine spezielle Erwartungshaltung haben.

Wenn du ihm das Sauberschlecken aber ein paar Mal angeboten hast, wird er bald schon bei dem Geräusch des Aludeckels angerannt kommen und neben dir stehen. Denn dieses Geräusch hat er nun mit dem köstlichen Schleckerlebnis verknüpft. Es wurde sozusagen zum Ankündiger für „Gleich hält mein Mensch mir den Joghurtbecher hin.“

Und nicht nur das! Dein Hund hat mit dem Geräusch auch die Emotion „Freude“ verknüpft.


Was hier mit dem Aludeckel so toll funktioniert, kannst du leicht auch auf andere Geräusche übertragen: z.B. auf das Geräusch des Clickers.

Auf diesem Foto siehst du zwei Varianten von Ring-Clickern und eine Variante, die man am Handgelenk baumeln lässt.

Der Clicker ähnelt in seiner Mechanik dem Kinderspielzeug „Knackfrosch“: Man drückt auf eine Metallfeder, die beim Drücken und Loslassen das typische „Knack“-Geräusch erzeugt.

So ein Clicker ist schon einfacher und schneller zu bedienen, als immer einen Joghurtbecher mitzuschleppen.

Aber sogar ein Clicker ist manchmal umständlich und man vergisst ihn auch schnell mal. Da könnte ein kurzes, prägnantes Wort eine tolle und praktische Alternative sein!


Clicker und Markerwort werden als „Markersignal“ bezeichnet, weil wir mit diesem Signal erwünschtes Verhalten markieren können.

Der Klang des Clickers oder deines Markerwortes, z.B. „Top“, hat so erstmal keine Bedeutung für deinen Hund (wie bei dem Joghurtdeckel). Erst nach der Verknüpfung mit etwas Tollem können Clicker oder Markerwort auch wirklich als ein Markersignal eingesetzt werden.

Diese Vorbereitung des Markersignals fällt unter die klassische Konditionierung. Der Einsatz später fällt unter die operante Konditionierung. Darum sind die beiden so ein tolles Dreamteam.


Bei der Vorbereitung, also bei der Verknüpfung des Markersignals, muss man ein paar Dinge beachten:

1. Der zeitliche Aspekt:

Wir wollen in unserem Beispiel das Clickergeräusch mit Leckerli verknüpfen. Für eine effiziente Verknüpfung sollte das Leckerli innerhalb von einer Sekunde nach dem „Click“ angeboten werden. Dies ist die optimale Zeitspanne für deinen Hund, um die Verbindung zwischen diesen beiden Reizen sicher herzustellen.

Der Fachbegriff hierfür ist „Spurenkonditionierung“. Sie hat sich im Hundetraining sehr bewährt, da bei ihr das „explizite Gedächtnis“ aktiv ist. Der Hund muss die beiden Reize bewusst miteinander verknüpfen, wodurch ein effizienter Lernvorgang entsteht. Der zeitliche Abstand darf aber auch nicht zu lang sein, da dem Hund die Verknüpfung dann sehr schwer fällt.

Der Clicker wird betätigt und danach, innerhalb von einer Sekunde, folgt das Leckerchen.

Der Hund muss den Click bewusst wahrnehmen.

Die Pause zwischen Click und Futter verhindert, dass das Futter bereits alle Aufmerksamkeit vom Click weg auf das Futter lenkt. Auch der Griff in die Futtertasche wäre solch eine „Überschattung“ und erfolgt darum auch erst nach dem Click!

2. Die Reihenfolge:

Du siehst es schon oben in der Abbildung: Erst erfolgt das Markersignal – dann das Leckerli. Die Reihenfolge ist wichtig, da das Markersignal somit zum Ankündiger des Leckerli wird!

3. Die Konsequenz:

Ja… die Konsequenz… das ist ja im Hundetraining eh eine wichtige Sache, und fällt uns Menschen so schwer.

Auf das Markersignal folgt IMMER etwas Tolles. Die Verknüpfung bleibt somit erhalten und das Markersignal behält seinen Ankündigungswert. Deshalb: nach Click IMMER Leckerli & Co.

Wenn dir das zu theoretisch ist, vergleiche es mit der Klingel des Eiswagens im Sommer. Du hörst die Klingel in deiner Straße und hast bereits die Verknüpfung gelernt: Klingel = Eiswagen kommt vorbei = köstliches Eis genießen.

Stell dir nun bitte vor, der Schrotthändler hat sich die Klingel des Eiswagens geborgt. (Dieser Gelato-Künstler hat ganz offensichtlich noch nie von Pavlov gehört!) Du rennst raus und stehst vor einem Pick-Up, der alles Mögliche geladen hat, nur kein cremig zartes, kühles Eis. Was für eine Enttäuschung!

Wenn das ein paar Mal passiert, wirst du wahrscheinlich nicht mehr so stürmisch auf die Klingel reagieren wie am Anfang und sie würde ihre Wirkung verlieren. Dies ist der Grund, warum auf dein Markersignal immer etwas Tolles folgen soll.

Auch eignen sich alltägliche Wörter genau aus diesem Grund nicht als Markersignal. Du hast z.B. eine nette Nachbarin, die deinen Hund sehr mag und ihn begrüßt mit „Was bist du fein!“, oder: „Du bist so brav!“ Wenn du Wörter wie „fein“ oder „brav“ als Markerwort wählst, besteht das Risiko, dass sie unkontrolliert im Alltag auftauchen, ohne dass direkt etwas Tolles folgt. Wie bei der ausgetauschten Eiswagen-Klingel würde auch hier der Ankündigungseffekt verloren gehen.


Die Verknüpfung der klassischen Konditionierung erfolgt nicht nur, wenn wir sie bewusst und gewollt herbeiführen. Sie passiert auch unbewusst und unkontrolliert mit Ereignissen in der Umwelt.

Die klassische Konditionierung ist einfach großartig, wenn es darum geht, unser Training positiv und motivierend zu gestalten. Es ist so schön, zu beobachten, wie Hunde beim Training mit Markersignalen aufblühen und richtig viel Spaß haben. Wir können gezielt positive Emotionen mitverknüpfen, was gerade beim Training mit ängstlichen und unsicheren Hunden ein absoluter Gamechanger ist.

Wir sollten aber im Hinterkopf behalten, dass die klassische Konditionierung immer mitläuft. Im Prinzip so, als ob du dir deine Lieblingsserie auf deinem Handy anschaust und du sie automatisch mit Bild UND Ton streamst. Nur, dass die klassische Konditionierung keine Mute-Taste hat; man kann sie nicht "stummschalten".


Jeden Tag, bei allem was dein Hund tut, ist die klassische Konditionierung immer dabei.


Furry Fellows_Emotionsverarbeitung_limbisches System

Angst ist eine der wichtigsten Emotionen: Sie sichert das Überleben und wird daher tief im Emotionsgedächtnis abgespeichert.

Die Angst wird mit allen Dingen, die im engen Zusammenhang mit dem Ereignis standen, durch den automatischen Vorgang der klassischen Konditionierung mitverknüpft.

Dies ist z.B. auch der Grund, warum Hunde mit Gewitterangst bereits bei dunklen Wolken Stressreaktionen zeigen.

Anfänglich war es der Donner, vor dem sie sich gefürchtet haben, aber die Luftdruckveränderung und die dunklen Wolken wurden zu sicheren Vorboten des Donners. 

Das Angstsystem des Gehirns tut sehr pflichtbewusst seinen Job: „Das letzte Mal war dieses Donnern echt blöd, und ich hatte keine Bewältigungsstrategie. Ich muss solche Situationen in Zukunft also irgendwie vermeiden.“ Das bedeutet, dass dieses komplexe Alarmsystem immer früher aktiv ist, um Vorboten zu erkennen und den Hund zu schützen.


Furry Fellows_Gegenkonditionierung_Gewitterangst

Wenn du gerade einen Welpen bekommen hast und du dir nicht sicher bist, wie er auf Gewitter reagieren wird, veranstalte eine Donner-Party beim ersten Unwetter.

Sobald es donnert, verstreust du im Wohnzimmer ein paar Leckerli, die dein Welpe dann suchen kann. Achte darauf, dass das Suchspiel nicht zu schwer ist. Es soll ja keine Frustration aufkommen, sondern Freude! Du kannst deinem Hund auch ein gefülltes Futter-Spielzeug oder eine leckere Kaustange geben.

Unser Ziel ist es, gleich beim ersten Mal den Donner mit etwas Positivem zu verknüpfen.


Möchtest du auch das Clickern oder Markern in dein Training integrieren und deinen Hund ganz einfach und immer im richtigen Moment bestätigen?

Unten findest du kostenlos das Furry Fellows Handout zum Markersignal! Lerne Schritt für Schritt, wie du es aufbaust und was es alles zu beachten gibt.

Viel Spaß beim Trainieren! ūüź∂

Furry Fellows Handout Markersignal